Kunsthandwerk bei „Keramik Kruse“

Obwohl gegenwärtig mehr Wohn- als Geschäftsraum gebaut wird, bleiben hier und da Lücken für schöne Läden. Eine dieser Lücken in der Langen Reihe füllt der Keramik-Laden von Juliane Kruse aus und den haben wir uns mal genauer angeschaut. Wer das Geschäft betritt, steht nicht nur vor einer Auslage vielfältiger Töpfereiprodukte, sondern auch gleich in der Werkstatt. Es ist für die Besucher also gleich sichtbar, wie die Produkte hergestellt werden und welche Hingabe in dem kreativen Handwerk steckt; das schafft eine besondere Atmosphäre.

Nach dem Ende ihrer Ausbildung zur Keramikerin im Jahr 2010 ging Juliane Kruse direkt in die Selbstständigkeit. Nach einem Gemeinschaftsladen je in Rostock und Berlin, ließ sie sich im Sommer 2018 in Leipzig nieder. Hier gibt sie ihrer Leidenschaft für Kreativität und Handwerk eine Form, die sich in jedem der einzelnen Stücke findet. Die anfängliche Skepsis, ob das Geschäft gut angenommen werden würde, verflog bald, denn sie merkte, wie viel Freude die Stücke bei den Kunden hervorrufen. Diese Freude gibt sie nicht nur mit dem Verkauf des Getöpferten weiter, sondern auch in Form von Kursen in ihrer Werkstatt.

Obwohl ihre ursprüngliche Motivation das Ausleben ihrer künstlerischen Ader war, begleitet von dem Wunsch, manuelle Fähigkeiten und Kreativität zu kombinieren, freut sie sich auch daran, mit jedem verkauften Werk ein Stückchen Nachhaltigkeit in die Leipziger Haushalte zu bringen.    
Auf die Frage, was denn Nachhaltigkeit für sie bedeutet, sagt die Keramikerin, dass es ihr wichtig ist, die Materialien möglichst ganzheitlich zu verwenden und auch, sie wiederzuverwenden. Das spiegelt sich z.B. in der Schnäppchenkiste vor dem Laden, in der man Waren mit kleinen Macken oder Schönheitsfehlern finden kann. Außerdem legt sie Wert auf einen plastik- und überhaupt möglichst abfallfreien Lebensstil. „Bei mir zu Hause findet sich natürlich viel selbstgemachtes, von der Seifenschale bis zum Geschirr. Aber auch hier im Laden produziere ich nachhaltig.“

Das beginnt – natürlich – beim Rohmaterial. Keramik Kruse bezieht nur chemiefreie Materialien aus Deutschland, es entstehen also auch keine langen Lieferwege. Anders als die Industrie, welche die Waren hauptsächlich aus dem günstigeren Steingutton herstellt, fertigt Juliane ihre kleinen Kunstwerke dabei aus dem langlebigeren Steinzeugton. Das brennt sie dann bei höheren Temperaturen, als es in der industriellen Herstellung der Fall ist. Dadurch sind die Teile robuster und halten länger. „Die bei der Produktion anfallenden Reste und Schlicker sammel ich dann und verwende sie wieder. So habe ich hier quasi keinen Abfall in der Herstellung“, erzählt sie.  Außerdem nimmt Juliane auch konkrete Produkte in ihr Repertoire auf, welche einen nachhaltigen Lebensstil befördern, wie etwa den Coffee-to-go-Becher oder die Keramikdosen zur Aufbewahrung von Lebensmitteln.

Darüber hinaus spielt noch ein Aspekt in die Förderung von Nachhaltigkeit hinein: „Ich habe auch gemerkt, dass es einen starken psychologischen Effekt gibt. Die Leute kommen hier herein und können genau sehen, wie ich meine Sachen herstelle. Durch den direkten Kontakt zwischen den Kunden und mir und durch den Bezug zum Herstellungsverfahren, ist die Wertschätzung eine ganz andere. Eine Tasse, die man irgendwo gekauft hat, schmeißt man vielleicht auch eher wieder weg, aber diese hier werden ganz anders bewahrt.“ 

Und nun wollen wir von euch wissen – welche Kunsthandwerke sind eure liebsten in der Stadt? Wo erfreut ihr euch an Kunstwerken oder shoppt ein schönes selbstgemachtes Geschenk?

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